Fragen vor dem Welpenkauf


Rovena hat im Forum einmal wunderbar beschrieben, was man sic fragen sollte, bevor man sich einen Welpen ins Haus holt:

Ein Berner ist natürlich ein wunderbarer Hund - aber er ist ein Hund, kein Kuscheltier. Er kommt nicht, wie es in einigen dummen Büchern zu lesen ist, erzogen auf die Welt, sondern braucht wie jeder andere Hund Liebe, Konsequenz und feste Grenzen, jedoch keine Härte. Nur wenn er weiß, dass er sich stets auf die Führungsqualitäten seiner Menschen verlassen kann, ist er auch der liebe, verschmuste und absolut zuverlässige Begleiter, den wir uns wünschen. Die den Bernern eigene Friedfertigkeit und Souveränität muss stets positiv von uns verstärkt werden, um wachsen zu können. Sonst verkümmern diese wunderbaren Eigenschaften, der Hund wird schwierig und unberechenbar. Insofern sind Kinder- u. Hundeerziehung sich sehr ähnlich.

Einige Fragen solltet Ihr Euch noch stellen:

Zuallererst: Ist Euch bewusst, dass wir in einer absolut hundefeindlichen Welt leben? Die Abneigung gegen Hunde wird täglich von den Medien geschürt, Jäger werden immer unverschämter gegen Hundehalter, die gesetzlichen Vorgaben immer tierfeindlicher. Könnt Ihr diesem Druck standhalten?

Wo soll der Hund leben? Seid Ihr bereit, ihn in Eure Familie zu integrieren, ihn in Eurem Lebensbereich, mit Euch im Haus, mit Euch im Garten, mit Euch bei Freunden und Verwandten, also stets um Euch zu haben? Ich lehne Zwingerhaltung als inhuman und tierquälerisch ab. Hunde sind soziale Wesen, die wir nicht von ihrem Rudel bzw. Menschen als Ersatzrudel trennen dürfen. Ich bin soweit gegangen, Leute, die meine Hunde nicht wollten, nicht mehr zu besuchen. Demzufolge habe ich meine Schwester und ihre Familie schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Ich sperre meine Hunde auch nicht weg, wenn Besuch kommt. Wer meine Tiere nicht mag, hat hier nichts verloren. Gastwirte, Hoteliers usw., die Hunde nicht dulden, bekommen auch mein Geld nicht.

Was wird mit dem Hund, wenn Deine Frau wieder arbeiten geht? Für das Kind gibt es einen Kindergarten, doch wer kümmert sich um den Hund?

Ist jemand da, der den Hund betreut, wenn Ihr in den Urlaub wollt?

Gibt es in Euren Familien eine Neigung zu Allergien? Kann der Hund zurück zum Züchter, wenn einer von Euch allergisch zu reagieren beginnt?

Wer kümmert sich, wenn Ihr aus anderen Gründen nicht könnt, z.B. bei Krankheit? Nicht nur Ihr könnt krank werden, sondern auch Euer Hund. Stellt Euch folgende Situation vor: Ihr beide müsst zur Arbeit, doch der Hund hat schon die halbe Nacht damit verbracht, den Garten mit Durchfall zu "verzieren". Im Haus einsperren geht nicht, für den Hund bedeutet dies eine schlimme Qual, denn er ist instinktiv bestrebt, sein Revier nicht zu beschmutzen. In den Garten sperren? Im ungünstigen Fall ist es kalt und nass oder - genauso problematisch - sehr warm. Eventuell ist der Garten von der Straße einsehbar - eine klasse Voraussetzung für Tierdiebe - unterschätzt das nicht, bandenmäßiger Tierdiebstahl nimmt leider stetig zu. Auch ist schnell mal Unbekömmliches über den Zaun in den Garten geworfen. Unser Setter ist zweimal Opfer eines Hundehassers geworden, der vergiftete Frikadellen in den Garten geworfen hat. Sie hat nur sehr knapp überlebt.

Seid Ihr bereit, dem Hund eine störungsfreie Ruhezone zu geben? Könnt Ihr Eurem Kind klarmachen, dass der Hund in Ruhe gelassen wird, wenn er sich zurückzieht? Ist Euch bewusst, dass der Hund nicht aus dem Schlaf gerissen werden sollte, weder von Euch, noch von Kindern?

Was geschieht, wenn sich Eure Familie vergrößert? Kleinkind, Baby und Junghund sind schwer unter einen Hut zu bringen. Auch mit nur einem Kind ist es sicher nicht einfach, denn der Bewegungsdrang des Kindes ist ein anderer als der des Hundes. Wer betreut das Kind, wenn der Hund mit Euch auf einem langen Spaziergang unterwegs oder in der Hundeschule, auf dem Hundeplatz oder beim Training ist? Bis Euer Töchterchen 2 Stunden spazieren gehen kann -und will! - werden noch Jahre vergehen. Der Hund will und soll jedoch mit etwa 1 1/2 Jahren an derartig große Runden gewöhnt werden.

Ich höre immer wieder:" Wir haben einen großen Garten, das reicht ihm". Um diesen weit verbreiteten Irrtum auszuräumen: ein Hund hat überhaupt keinen Spaß an einem großen Grundstück! Es ist ihm völlig egal, ob sein Garten 30 qm oder 3000 qm hat - er kennt in kürzester Zeit sein Revier und ist überhaupt nicht damit ausgelastet. Es reicht eben nicht! Ein Hund ist ein intelligentes Wesen mit einem Kopf zum Denken und einem muskulösen Körper für die täglichen 30 - 50 km, die ein Wildhund zurücklegt, gepaart mit Kraft und Ausdauer, um bei der Jagd erfolgreich zu sein. Er braucht eine Aufgabe, er benötigt seine täglichen großen und kleinen Runden und seine Sozialkontakte mit anderen Hunden so dringend wie die Luft zum Atmen! Es ist ungerecht, ihn als 5. Rad am Wagen mitlaufen zu lassen, denn er will und muss arbeiten, um glücklich und ausgelastet und damit auch für uns ein angenehmer Sozialpartner zu sein. Da wir hier keine Wildnis haben, in der er herumstöbern und seine Triebe befriedigen kann, auch sonst keine seiner ursprünglichen Aufgaben auf ihn wartet (Berner sind Arbeits- u. Lagerhunde, sie wurden zum Begleiten der Hirten und zum Ziehen kleiner Wagen sowie zum Schutz des Lagers und der Höfe eingesetzt), ist es unsere Pflicht, für ihre Beschäftigung zu sorgen.

Wenn Euch klar ist, dass Ihr mit einem Hund ein weiteres Kind in Eure Familie aufnehmt und Ihr bereit seid, Euer Leben komplett auf die Bedürfnisse Eurer zwei- u. vierbeinigen Kinder auszurichten, habt Ihr die schwere Aufgabe, den Hund zu finden, bei dem Eure Herzen und Bäuche sofort und uneingeschränkt "Ja" schreien. Dabei ist es völlig unerheblich, ob das Tier von einem Züchter, aus einer Zufallsverpaarung, von einem Vermehrer, von einem Hobbyzüchter (ich finde nicht, das ein Lebewesen zum Hobby degradiert werden darf), aus der Notvermittlung oder aus dem Tierheim stammt. Entscheidend ist allein, dass es zu Euch gehört, daß der Funke überspringt - von beiden Seiten! Ich hatte z.B. einen Welpen unter meiner Nachzucht, der Kinder nicht mochte. Auch als erwachsener Hund zog er sich stets zurück, wenn Kinder in seine Nähe kamen. Ich habe ihn zu kinderlosen Menschen gegeben, mit denen er sehr glücklich war. Alle anderen Welpen und auch meine beiden Großen lieben alle Menschen, groß, klein, behindert, fremdartig - für sie gilt: Menschen sind gut.

Ihr findet diesen Beitrag pathetisch? Ist mir egal. Ich habe mein Leben mit Hunden, Pferden und anderen Tieren verbracht, beschäftige mich intensiv mit ihnen (Hundeschule Sh* [Name auf Wunsch des Betreibers entfernt, "Hundetrainer" und ab Januar Tierheilpraktikerausbildung) und habe schon so oft so unglückliche Hunde erlebt, dass ich gar nicht nachdrücklich genug darüber referieren kann.

Nur noch eine kurze Anmerkung zu Retrievern: Ob Labrador, Golden, Flatcoated, Duck Toll und wie sie auch heißen - alle Retriever sind Jagd - u. Wasserapportierhunde. Sie sind freundlich und menschenbezogen, doch sollten sie jagdlich geführt werden. Für Nichtjäger wie mich ist der Jagdtrieb eine stetige Stressquelle, daher würde ich mir nie einen Jagdhund zulegen.

Wenn Ihr Euch für Euren Traumhund entschieden habt, findet Ihr hier eine gute Hundeschule in Eurer Nähe: http://www.bhv-net.de

So, und nun ein paar schlaflose Nächte, intensive Diskussionen, noch viele weitere gute Tips, viele Fragen an uns hier, gute Bücher zum Thema und am Ende einen dieser wunderbaren, bärenhaften, zärtlichen, arbeitsfreudigen, mutigen und stets gelassenen Berner Sennenhunde an Eurer Seite.

Habe noch etwas sehr Wichtiges vergessen: Nehmt Euch auf die Welpensuche jemanden mit, der wirklich etwas von Hunden versteht. Ich mache häufiger Welpenberatung und Ihr glaubt nicht, welche Geschichten ahnungslosen Interessenten manchmal aufgetischt und unter welchen unsäglichen Bedingungen Tiere gehalten und vermehrt werden! 

Ergänzung von Aga: Ich würde noch auf die im Unglücksfall immensen Tierarztkosten und den Dreck, mit dem man bereit sein muss zu leben, hinweisen.
 

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