entnommen der Homepage des Deutschen SchlittenhundeSport Verband e.V.
Das als Zwingerhusten bezeichnete Symptombild ist ein Komplex aus
verschiedenen viralen und bakteriellen Infektionen der oberen Luftwege.
Die Bezeichnung Zwingerhusten ist schon deswegen irreführend, weil sich die
Erkrankung nicht nur auf Zwingerhunde beschränkt, sondern jeder einzeln
gehaltene Haushund ebenso davon betroffen sein kann. Die richtige Bezeichnung wäre
eine ansteckende Entzündung des Kehlkopf-Luftröhren und Bronchienbereiches
(infektiöse Laryngotracheobronchitis). Die Erkrankung verläuft meist mild,
ohne Fieber und ohne das Immunsystem des Hundes zu sehr zu schwächen.
Die auslösenden Virusarten sind von Territorium zu Territorium, von Geschehen zu Geschehen sehr verschieden und verlaufen je nach Art der Haltung milder (Einzelhaltung) oder schwerer (Gruppenhaltung). In Mitteleuropa ist mit folgenden Viren als alleiniger oder beteiligter Auslöser zu rechnen:
1. Parainfluenza-2-Viren (SV-5)
2. Reoviren 3
3. menschliche Influenzaviren Typ A2
4. Canines Adenovirus 2 (CAV 2) als Laryngotracheitisvirus
5. Canines Herpesvirus.
Alle genannten Viren schädigen die Schleimhäute der oberen Luftwege und bereiten die Wege für mögliche bakterielle Sekundär (Zweit-) Infektionen vor, wobei besonders der Erreger Bordetella bronchiseptica die Erkrankung erschwert. B. bronchiseptica ist aber in der Lage, bei einzelnen Ausbrüchen als alleiniger Verursacher aufzutreten.
Die Ausscheidung der Viren und Bakterien erfolgt aerogen (über die Luft). Es kommt zu einer gegenseitigen Tröpfcheninfektion oder Infektion durch direkten Kontakt. Wichtig ist zu wissen, dass die infektiöse Tracheobronchitis sehr ansteckend ist. Hunde, welche unter Streß oder unter Leistungsanforderung stehen, sind besonders gefährdet. Die Erkrankung erfasst sehr schnell den gesamten Hundebestand eines Zwingers. Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) beträgt zwischen 2 - 30 Tage (je nach auslösendem Virus). Die Ausscheidung des Virus, die bereits beim klinisch noch gesunden Hund auftritt, kann ganz massiv sein und zur schnellen Ausbreitung der Erkrankung beitragen. Ein quälender trockener Husten, der anfallsweise auftritt, beeinträchtigt das Allgemeinbefinden und die Leistungsfähigkeit der Hunde außerordentlich. Auch wenn keine Symptome mehr erkennbar sind, bleibt der Hund über einen längeren Zeitraum latent infiziert und stellt eine Ansteckungsquelle dar.
Grundlage eines wirksamen Schutzes ist eine Grundimmunisierung sowie eine Boosterung (Wiederholung der Grundimpfung) im entsprechenden Zeitraum mit einer Kombinationsvakzine. ln der Folgezeit wird die Impfung jährlich wiederholt.
Aus dem Vorangesagten lässt sich ableiten, dass ein
"Zwingerhusten" durch zahlreiche Erreger (Bakterien und Viren)
verursacht werden kann. In den zur Zeit zur Verfügung stehenden Impfstoffen
sind aber nur die Komponente Canines Parainfluenzavirus(SV-5) sowie Canines
Adenovirus 2 enthalten. Ist der Verursacher ein anderer Virus, kann es trotzdem
zur Erkrankung kommen.
Als einzige nasale Immunprophylaxe steht der Impfstoff "Intrac" (Fi.
Essex), mit dem Stamm Bordetella bronchiseptica (bakterieller Erreger) zur Verfügung.
Je nach auslösendem Virus spielt es eine Rolle, ob der Hund über die durchgeführte
Impfung bereits Antikörper (Schutzstoffe) besitzt und somit nicht erkrankt oder
der Körper noch keinen Kontakt hatte (weil nicht als Komponente im Impfstoff
enthalten) und durch eine Durchseuchung erst Antikörper ausbildet.
Wenn wir sehen, welche Vielzahl von Erregern in Frage kommen, verstehen wir
jetzt auch, warum der Hund nicht komplett geschützt ist.
Für Schlittenhunde empfiehlt es sich, die Komponenten Parainfluenza Typ 2 (SV5) und Canines Adenovirus Typ 2 über die jährliche Kombinationsimpfung abzudecken, wobei der Zeitpunkt der Impfung in der trainingsfreien bzw. armen Zeit liegen und eine entsprechende Endoparasiten bekämpfung der Impfung vorausgehen sollte. Es ist zu empfehlen, die nasale Impfung als alleinige Impfung in den Herbst zu verlagern. Sie hat den Vorteil, einen lokalen Schutz direkt an den Eintrittspforten der Infektion auszubilden. Sie zeichnet sich durch eine schnelle Wirkung aus und benötigt nur 5 Tage um einen soliden Impfschutz aufzubauen. Es ist also sinnreich, die Verabreichung kurz vor der Zeit einen erhöhten Infektionsrisikos (Wagenrennen, Trainingstreffen, feuchtes kaltes Wetter) durchzuführen, wobei die Immunität etwa 6-10 Monate anhält.
Wichtig ist auch noch mal der Hinweis, dass arbeitende Hunde (also Schlittenhunde) einen erhöhten Bedarf an Vitamin C haben. Dieser Bedarf wird über die normale Fütterung nicht abgedeckt. Vitamin C spielt für die Leistungsfähigkeit des Immunsystems eine entscheidende Rolle. Nur ein gut funktionierendes Immunsystem ist in der Lage, eine entsprechende Immunantwort auf die erfolgte Impfung zu geben und einen wirksamen Schutz gegen die infektiöse Laryngotracheitis auszubilden.
Anmerkung:
Ob es tatsächlich notwendig ist, den Hund zu impfen, ist, wie bei anderen Impfungen auch, im Einzelfall sorgfältig abzuwägen. Eine (von Tierärzten gerne propagierte) generelle vorbeugende Impfung ohne vorhandene Indikation sollte kritisch hinterfragt werden.