entnommen: www.hundezeitung.de
Von Gitta Vaughn
Magendrehung - wenn ein Hundehalter weiß, was das für einen Hund bedeuten kann, dreht sich auch bei ihm nach einer derartigen Diagnose der Magen um. Besonders die Halter großer Hunde wissen um das Risiko. Aber vieles schien nicht bewiesen, so rätselte man weiter. Vor fast zehn Jahren nahm sich die Universität Purdue in den USA dieses Themas in einer Langzeitstudie an. Nun wurden erste Erkenntnisse veröffentlicht. Sie sind erstaunlich und sollten in manchen Bereichen und Gewohnheiten ein Umdenken hervorrufen.
Tatsache ist, dass die Ursachen für eine Magendrehung bisher weitgehend unbekannt waren und über die Zuverlässigkeit der Vorbeugemaßnahmen auch keine gesicherten Erkenntnisse zur Verfügung standen.
Dies wird sich hoffentlich bald ändern. Im Sommer 1994 begann die Universität Purdue in Indiana, USA, mit der bis dahin größten Studie, um die Ursachen der Magendrehung zu erforschen. Es ist bisher die umfangreichste Studie, die elf Rassen mit fast 2000 Hunden mit einem Gewicht von 23 bis 45 Kg und über 45 kg umfasst, und die Studie ist immer noch nicht abgeschlossen.
Magendrehung ist in den USA die zweithäufigste Todesursache nach Krebs. In den Jahren 1964 - 1994 wurde ein Zunahme um 1500 Prozent registriert, die Gründe hierfür sind noch unbekannt. Ausgegangen wird jedoch von Umweltursachen wie zum Beispiel veränderte Fertigfutterherstellung, veränderte Herstellung und/oder Verwendung von Impfstoffen etc. Zucht und Beliebtheit bestimmter Rassen lassen diese extreme Zunahme nicht erklären.
Einen traurigen Spitzenplatz nehmen die Deutschen Doggen ein. Über 50 Prozent von ihnen werden höchstwahrscheinlich an Magendrehung erkranken und nahezu ein Viertel der betroffenen Hunde werden die Erkrankung nicht überleben.
Bei Hunden mit hohem Risiko kann eine prophylaktische Operation die Drehung des Magens verhindern. Diese Operation hat sich bereits zu 95 Prozent bewährt bei Hunden, die nach der ersten Magendrehung operiert wurden. Nur 5 Prozent der operierten Hunde erlitten einen Rückfall. Da die Magendrehung eine genetische "Komponente" hat, sollten Hunde, die für die prophylaktische Operation in Frage kommen, kastriert sein.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen ein erhöhtes Risiko (63 Prozent) für Hunde, die Verwandte ersten Grades haben, die bereits an Magendrehung erkrankt sind. Inzucht scheint das Risiko noch weiter zu erhöhen. Mit Hunden, die an Magendrehung erkrankt sind und/oder Verwandte ersten Grades haben, die an Magendrehung erkrankt sind, sollte nicht gezüchtet werden.
Die meisten der bekannten Vorbeugemaßnahmen scheinen keinen Einfluss auf das Risiko zu haben, wobei die erhöhten Futterschüsseln das Risiko offensichtlich noch erhöhen. Das oft empfohlene Anfeuchten des Trockenfutters hat keine Auswirkungen auf das Risiko, weder positiv noch negativ. Die Anzahl der täglichen Mahlzeiten wiederum scheint einen Einfluss zu haben. Weniger Mahlzeiten sollen das Risiko zu erhöhen.
Auch das Verhalten kann einen Einfluss auf das Risiko ausüben. Ängstliche und aggressive Hunde scheinen mit höherem Risiko behaftet als ausgeglichene Hunde.
Außerdem konnte belegt werden, dass sich fast 60 Prozent der Fälle nachts ereignen.
Die Todesrate für Magendrehung liegt immer noch sehr hoch: bei fast einem Viertel innerhalb der ersten sieben Tage. Wobei auch festgestellt wurde, dass etwa die Hälfte der Hunde stirbt, ehe eine Behandlung möglich ist. Je schlechter das Allgemeinbefinden bei Erreichen des Tierarztes, desto geringer die Überlebenschance.
Mit einer Operation sinkt das Risiko einer erneuten Magendrehung auf 4,3 Prozent, während nicht operierte Hunde zu 65,6 Prozent eine weitere Magendrehung erleiden. Die Todesrate bei erneuten Magendrehungen liegt bei über 80 Prozent.
Das Alter spielt eine bedeutende Rolle. Das höchste Risiko haben bei den Hunden jene, die zwischen 22 und 45 kg wiegen, und die Hunde, die älter als 5 Jahre sind. Bei den Riesen über 45 kg sind es gar jene, die älter als 3 Jahre sind.
Tiefe und schmale Brust im Vergleich zu anderen Hunden der gleichen Rasse ist ein weiterer Risikofaktor wie auch die Schnellfresserei.
Die neuesten Ergebnisse zeigen ein 2,7-fach höheres Risiko für Hunde, die Trockenfutter bekommen, das "Fett" in den ersten meisten vier Zutaten anzeigt.
Ein 4,2-faches Risiko besteht, wenn das Futter Zitronensäure (Ascorbin) enthält und zudem vor dem Füttern angefeuchtet wird.
Trockenfutter die Fleischmehl mit Knochen in den ersten vier Zutaten auflisten, reduzierten das Risiko um 53 Prozent.
30 Prozent der untersuchten Fälle konnten auf den höheren Fettgehalt (innerhalb der ersten vier Zutaten) zurückgeführt werden.
Fast ein Drittel konnten auf Futter mit Zitronensäure (innerhalb der ersten vier Zutaten), das vor dem Füttern angefeuchtet wurde, zurückgeführt werden.
Detaillierte Ergebnisse können derzeit nicht veröffentlicht werden, da die gesamte Studie noch vor der Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift steht. Dass die hier aufgeführten Ergebnisse publiziert wurden - trotz des Risikos, dass die entsprechenden Fachzeitschriften deshalb eine Veröffentlichung ablehnen könnten -, sollte jeder Hundehalter dankend zur Kenntnis nehmen. Denn das Forscherteam wertet das Leben eines Hundes, der durch diese Daten gerettet werden kann, höher als die Exklusiv-Veröffentlichung in einer renommierten Fachzeitschrift.
Magendrehung ist eine lebensbedrohende Erkrankung, die eine sofortige Behandlung erfordert. Nur eine Röntgenaufnahme kann klären, ob es sich um eine harmlose Verstimmung oder lebensbedrohende Erkrankung handelt. Auch wenn der Magen nur aufgebläht, aber nicht verdreht ist, sollte sofort operiert werden. Nur so kann einer Verdrehung wirksam begegnet werden.
Bei Verdacht auf Magendrehung sollte jeder Halter auf einer sofortigen Röntgenaufnahme bestehen. Leider kommen Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen immer wieder vor, mit fast immer tödlichem Ausgang.
Es kann fast jeden Hund treffen. Meist überfällt diese lebensgefährliche Erkrankung ältere Hunde mit tiefem Brustkorb und erschlafftem Gewebe, und oft genug, wenn sie sich nur einmal den Wanst voll schlagen. Und meist zur Unzeit. Das eigentlich dramatische daran: Es ist immer eine Operation nötig, und das ist nicht immer möglich.
Zusammenfassung aus tiermedizinischen Handbüchern:
Die Ursache einer Magendrehung (torsio ventriculi) beziehungsweise
Magenverlagerung ist noch nicht endgültig geklärt. Hunde mittel- bis großer
Rassen mit tiefer Brust sind besonders gefährdet, außerdem Rüden doppelt so häufig
wie Hündinnen. Die Torsion (Drehung) tritt meist bei wenig gefülltem Magen
auf. Eine Gewebeschwäche der Magen-Aufhängesysteme bei gleichzeitiger
Magenatonie (-schlaffheit) scheint eine veranlagte Voraussetzung zu sein.
Nach bisherigem Wissen kann angenommen werden, dass durch eine Magenschlaffheit die Entleerung des Magens verlängert und die Selbstreinigungsfunktion gestört ist. Das führt dazu, dass gasbildende Keime wie Streptokokken (natürliche, teilweise aber hochgradig krankmachende Bewohner von Schleimhäuten), Milchsäure-Bakterien, Clostridien (außerhalb des Körpers befindliche Bakteriengattung) und Hefen in die Umwandlung des Mageninhaltes eingreifen. Dabei kommt es zu einer erhöhten Gasbildung, die ihrerseits einen erheblichen Druck auf die Magenwand ausübt und eine Erschlaffung der Magenmuskulatur verstärkt.
In vielen Fällen ist dann nicht nur das Magengewölbe aufgebläht und zusammen mit der Milz bei einer 90-Grad-Drehung gekippt. Bei einer größeren Drehung verlagert sich die Milz. Durch die Blähung des Magens kommt es zu einem Abklemmen und damit Verstopfen der Pfortader und folglich zum Hochdruck und zur Venen-Stauung im Magen-Darm-Trakt. Dies führt dann zur Absonderung vom Gewebeflüssigkeit in Magen, Darm und Bauchhöhle.
Die Drehung muss dann umgehend operiert werden.
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Ein Tiermediziner erklärt, was es mit der Magendrehung auf sich hat: "Meistens handelt es sich um ältere Hunde (älter als fünf Jahre). Hunde mit Magendrehung werden oftmals nur einmal täglich gefüttert, Hunde, die ihre tägliche Futterration auf mindestens zwei Portionen verteilt bekommen, erkranken seltener an einer Magendrehung. Die genaue Ursache für eine Magendrehung ist nicht endgültig geklärt. Diskutiert werden:
Man weiß also im Prinzip nur, dass man Hunde möglichst nicht nur einmal am Tag füttern sollte (ich füttere mich übrigens auch nicht nur einmal am Tag, weil sich sonst nämlich den restlichen Tag ziemlichen Kohldampf schiebe). Die Symptome: Würgen, ohne dass nennenswerte Mengen Mageninhaltes hervorgebracht werden; meistens werden nur geringe Mengen Schleim/Flüssigkeit erbrochen. Anfangs noch Unruhe, die dann in Apathie übergeht, weil der Kreislauf des Hundes nicht mehr mitmacht. Durch die Magendrehung werden große Gefäße und die Milz abgedreht, so dass es zu einer extremen Kreislaufbelastung kommt. Aufgrund dieser Kreislaufbelastung kommt es oft zu Herzrhythmusstörungen (lebensbedrohlich). Diese Rhythmusstörungen sind gefürchtet, so dass nach einer Diagnose einer Magendrehung zunächst der Magen entlastet wird (Punktion mit einer Kanüle) und die Herzrhythmusstörungen behandelt werden. Zusätzlich erfolgt eine massive Flüssigkeitszufuhr. Sobald der Kreislauf stabilisiert ist, wird operiert. Die Operation sieht so aus, dass der Magen geleert und in seine normale Lage zurückgelegt wird. Es gibt Tierärzte, die den Magen nicht in seiner normal-anatomischen Lage befestigen. Ich halte das für nicht ausreichend. Ich finde es besser, wenn der Magen in seiner normalen Lage befestigt, also festgenäht wird, entweder an den Rippen oder in der Bauchwundennaht. Nach der Operation besteht noch für ca. drei Tage die Gefahr, dass der Hund erneut Herzrhythmusstörungen bekommt, die gegebenenfalls auch noch tödlich sein können. Ist die Wunde ansonsten gut verheilt, ist eigentlich alles wieder o.k. und der Wuffel kann wieder ein ganz normales Leben führen. Wilde Sachen sind nicht zu beachten (es sei denn, der Magen ist zum Ausräumen aufgemacht worden, dann muss man in den nächsten Tagen nach der Operation mit der Fütterung vielleicht etwas aufpassen (kleinere Mengen füttern). Sonst wird es nach der Operation wahrscheinlich nicht wieder zu einer Magendrehung kommen; es sei denn, der Magen ist in der Operation nicht fixiert worden. Die Fütterung mindestens zweimal täglich ist zwar keine Garantie dafür, dass der Hund niemals eine Magendrehung bekommt, aber es ist doch sehr unwahrscheinlich." |
Autorin: Katja Hasselbeck
Mittwoch, 17. Januar 2001
19:00
Wir kommen vom Spaziergang nach Hause, die beiden Deutschen Doggen bekommen ihre
Abendfütterung und ich gehe in den ersten Stock ins Arbeitszimmer, um noch
einige Dinge am PC zu erledigen.
21:15
Khani kommt (wie immer mit Tyras im Schlepptau) ins Arbeitszimmer und nervt.
Wahrscheinlich hat er wieder Hunger. Altersdemenz, denke ich, er hat doch erst
vor gut zwei Stunden etwas bekommen. Schicke beide hinunter auf ihren Platz.
Khani wird bald acht, ist kastriert und leidet seitdem offensichtlich
eingebildete Hungerqualen. Die äussern sich dann schon mal in Quengelei, wenn
er ein vergessenes Brötchen in der Küche entdeckt hat.
21:20
Khani steht wieder hinter mir und nervt. Na gut, vielleicht Durchfall, kann ja
sein. Gut, dass er sich meldet. Schuhe an, Jacke an, mit beiden vor die Tür,
Gassi. Tyras erledigt alles was er erledigen muss und bei Khani? Fehlanzeige.
Nun gut, wer nicht will, der hat schon.
21:30
Schnell wieder rein, es ist doch ziemlich kalt. Beide auf ihre Körbchen und
Kissen geschickt, wieder ins Arbeitszimmer.
21:35
Khani wieder da. Nervt erneut. Nun gut, man soll es ja ernst nehmen, wenn der
Hund sich meldet. Runter, Schuhe, Jacke, das gleiche Spiel, allerdings diesmal
ohne Tyras. Fehlanzeige.
21:40
Wieder zurück, etwas schlecht gelaunt wegen der Störungen, wieder ins
Arbeitszimmer. Da steht er schon wieder hinter mir. Wieder das gleiche: raus,
nichts. Ich werde unruhig. Der Hund wirkt irgendwie unglücklich. Umdrehen,
rausgehen, nichts.
21:45
Das gleiche Spiel. Der Hund steht nun im Flur wie ein Esel: gebeugt, gebückt,
schaut mich an wie ein waidwundes Reh. Diesmal aber noch etwas neues: er würgt
und versucht zu erbrechen. Es kommt nichts ausser ein wenig Sabber. Und nun fällt
endlich bei mir der Groschen: wenn nichts kommt...dann hat der Hund womöglich
eine Magendrehung?
Wir stehen draussen am Strassenrand und er versucht erfolglos, sich zu übergeben. Wieder nur das bisschen Sabber. Er schürft sich den Nasenschwamm auf im Strassengraben weil er verzweifelt versucht, irgend etwas herauszuwürgen was nicht herauskann.
21:50
Wieder vor der Haustür. Hund sofort ins Auto, ins Haus, Handy, Tierarzt
anrufen. Das ist zu unserem grossen Glück ein Landarzt, bei dem rund um die Uhr
das Telefon besetzt ist. Und der innerhalb weniger Minuten zu erreichen ist. Ich
schildere gar nichts, sondern informiere nur, dass ich unterwegs bin und warum.
Ich bin merkwürdigerweise erstaunlich ruhig und konzentriert. Tyras schaut
etwas dumm und muss allein zurückbleiben.
Der Hund beginnt bereits, leicht aufzugasen. Nun sind die Anzeichen unzweideutig. Von unterwegs verständige ich meinen Mann. Der springt sofort ins Auto.
22:00
Eintreffen beim Tierarzt. Die Tochter ist da, der Vater ist unterwegs. Röntgen.
Bei Landärzten geht das zum Glück im Stehen, dort gibt es portable Röntgengeräte.
Man hat hier viel mit Pferden zu tun.
Torsten kommt dazu, wir sehen uns gemeinsam das Röntgenbild an. Unmissverständlich: der Magen ist voll und einmal um seine eigene Achse gedreht. Die Gasentwicklung hält sich noch in Grenzen. Die Tochter kann nicht allein operieren, das wäre zu riskant: OP und Anästhesie in einer Hand machen wenig Sinn. Wir können nicht helfen, was wir sonst immer tun. Aber da geht es auch nicht um Leben und Tod sondern vielleicht mal um einen Schnitt im Ballen...
Der Hund bekommt eine Spritze gegen den Schock und eine Infusion gegen den möglichen Kreislaufzusammenbruch. Es muss Flüssigkeit in den Körper, weil durch die Drehung grosse Blutgefässe abgeschnürt sind.
Die Entscheidung wird uns abgenommen, wir werden in die Tierklinik geschickt. Die Tierärztin drückt uns einen kopierten Zettel mit der Anfahrtsbeschreibung in die Hand und hilft uns, den Hund im Auto unterzubringen und den Tropf zu befestigen. Sie will die Klinik telefonisch informieren während wir unterwegs sind.
23:00
Eintreffen in der Tierklinik nach einer Höllenfahrt, die kein Ende nehmen
wollte. Wir werden erwartet und wider Erwarten gebeten, im Wartezimmer Platz zu
nehmen. Der Hund steht neben uns und erträgt sein Schicksal mit stoischer
Unruhe. Wieder dieser Eselsausdruck in seinem Gesicht. Man will sich gleich um
uns kümmern. Eine Weile nach uns kommen Leute mit einem pelzigen Bündel auf
dem Arm und rotgeweinten Augen. Ihre Katze ist auf der Fahrt gestorben.
Ich habe ernstlich Mühe, mich im Zaum zu halten. Sie werden in einen Raum gebeten und man kümmert sich um sie. Ich flippe fast aus und irgendwann lässt mich der Gedanke nicht mehr los, dass dort gerade Menschen getröstet werden, die mir zwar unendlich leid tun, deren Tier aber nun mal nicht mehr zu helfen ist. Was ist hier los?
Gerade rechtzeitig vor einem Ausbruch kommt ein Arzt und bittet uns - zum Röntgen! Selbstverständlich hat keiner von uns daran gedacht, die kurz vorher angefertigten Röntgenbilder mitzunehmen...aber die Tierklinik röntgt wohl eh lieber noch mal selbst. Von wegen Verantwortung und so, Sie verstehen. Ich verstehe gar nichts mehr. Torsten hat seit einer Stunde ein versteinertes Gesicht und will nicht reden.
23:45
Endlich! Nun soll unser Hund operiert werden. Er steht immer noch tapfer auf
seinen eigenen Beinen. Man macht uns nach Erledigung aller Formalitäten auf die
Risiken aufmerksam: der Hund ist nicht mehr der jüngste, es kann sein, dass er
die OP nicht oder nur um wenige Tage überlebt. Er muss etwa fünf Tage in der
Klinik bleiben und darf keinen Besuch haben um ihn nicht aufzuregen. Verständlich
aus Hundesicht, unverständlich für die Menschen...
Man sagt uns ausserdem, dass wir getrost nach Hause fahren können, bei der OP dürfen wir nicht dabeisein und warten müssen wir auch nicht. In einem Halbsatz die Frage nach der Handynummer, denn es könne sein, dass bereits so viel Gewebe abgestorben ist, dass man nicht mehr weiteroperieren könne.
Und wir sollen heimfahren? Nein, wir entscheiden uns zu bleiben. Torsten tigert durchs Wartezimmer, ich setze mich in eine Ecke. Jetzt plötzlich löst sich die Anspannung in einem Heulkrampf auf.
0:30
Der Arzt steckt seinen Kopf durch die Tür und informiert uns darüber, dass sie
weiteroperieren werden. Uns fällt der erste Stein vom Herzen. Wir fahren heim.
Donnerstag, 18.1.2001
9:00
Telefonische Nachfrage ergibt, dass Khani die OP recht gut überstanden hat. Wir
dürfen zu festgesetzten Zeiten anrufen und fragen, wie es ihm geht. Er habe
dank seiner guten Kondition und dank der guten Erstversorgung durch unseren
Tierarzt einen grossen Vorteil gehabt.
Montag, 22.1.2001
Gegen Mittag
Torsten hat Khani aus der Klinik abgeholt. Nun liegt er daheim in seinem Körbchen,
offensichtlich geschwächt, aber zufrieden. Eine Klinik ist keine Beauty Farm,
das wussten wir vorher, aber sein äusserer Zustand lässt sehr zu wünschen übrig.
Er hat offene Liegestellen an den Ellenbogen, etwas, das man mit dicken
Unterlagen eigentlich recht gut vermeiden kann. Vorher hatte er das nicht. Wer
weiss, wie er da untergebracht war...
Kotflecken im Fell ist auch nicht das, was bei uns daheim üblich wäre. Auch das lässt Rückschlüsse auf die Unterbringung zu, und vor allem auf die Pflege dort und die regelmässige Überwachung des Rekonvaleszenten...aber wir sind ja froh, dass er überlebt hat. Das relativiert manches. Die Klinik bestand übrigens auf sofortiger Begleichung der Rechnung bei Abholung, ansonsten gibt man dort keine Tiere heraus. Ich stelle Überlegungen an, was sie wohl in einem solchen Falle tun...
Nachmittag
Ich komme aus dem Büro heim. Khanis Zustand hat sich verschlechtert, er hat
hohes Fieber und Husten. Torsten hat bereits die Tierärztin verständigt, die
auch schon dagewesen war. Sie hat in der Klinik angerufen und in seinem Beisein
den behandelnden Arzt zur Schnecke gemacht. Im Moment tippt sie auf eine
Lungenentzündung. Wir müssen den Hund in die Praxis bringen. Dort angekommen
kommt er an den Tropf und bekommt diverse Spritzen. Mir egal, was sie macht,
Hauptsache es wirkt...
Er zittert und friert. Er muss über Nacht dortbleiben und bekommt einen kleinen OP als Nachtlager zugewiesen. Ich fahre heim und hole sein Kissen. Ein pinkfarbener Fleecepulli von Herrchen muss auch noch dran glauben, frieren soll er nicht. Der Husten gibt mir sehr zu denken...ich hoffe, dass es nicht das Herz ist, in diesem Alter und nach einer solchen OP.
Dienstag, 23.1.2001
Morgens
Torsten telefoniert mit der Tierärztin. Es sieht nicht gut aus. Sie hat unter
anderem ein Herzultraschall gemacht und festgestellt, dass das Herz tatsächlich
nicht in Ordnung ist. Schwere Herzinsuffizienz. Die Wände sind nur noch ein
Viertel von dem wie sie sein müssten, dafür ist es etwa doppelt so gross. Sie
will die Behandlung sofort starten, macht uns aber wenig Hoffnung dass er es
schafft.
Nachmittags
Torsten telefoniert wieder mit der Tierärztin. Wir sollen kommen, wir müssen
eine Entscheidung treffen...es muss ihm sehr schlecht gehen, denn er will nicht
fressen. Ihre Mutter hat ihm sogar was gekocht, aber er will nicht... Wir fahren
sofort hin. Jeder in Gedanken versunken. Wir haben beide Angst vor dem, was uns
erwartet.
Angekommen, gehen wir in Khanis Einzelzimmer. Er versucht aufzustehen und wedelt schwächlich mit der Rute. Wir setzen uns zu ihm, damit er sich nicht so aufregt. Seine ehemals schwarze Gumminase ist bräunlich und rissig, aber sie funktioniert noch: sofort dockt er an meiner Tasche an und sucht nach Leckerchen. Seine Lebensgeister scheinen wiedererweckt...
Die Tierärztin lacht und sagt uns, wir sollen ihn mit heimnehmen, egal wie es ausgeht, bis morgen früh. Da sei er jedenfalls besser aufgehoben als in der Praxis. Also kommt er mit und sinkt mit einem tiefen Seufzer in sein Körbchen. Tyras steht verwirrt daneben und versteht die Welt immer noch nicht. Erst ist er weg, dann ist man tagelang allein, kaum ist er wieder da, ist er schon wieder weg und dann gehts ihm nicht gut und spielen will er auch nicht.
Die nächsten Tage
Morgens und abends fahren wir zum Tierarzt, Spritzen, Tropf. Er frisst immer
noch nicht. Die Magendrehung war in den letzten Tagen weit in den Hintergrund
gerückt, aber auch davon muss er sich ja noch erholen... Wir kommen jeden Tag
ein paar Meter weiter draussen.
Ich wechsle die Schonkost, Reispampe mit püriertem Putenfleisch behagt ihm wohl nicht so. Der beste Ehemann von allen hatte im Supermarkt vor dem Tiefkühlgeflügel gestanden und sich gedacht, dass sein Prinz etwas besseres verdient hat. So fanden dann mehrere Kilo frische Putenbrust den Weg in unseren Kühlschrank. Nun gibt es also Nudeln mit Putenstückchen. Der kleine Feinschmecker bekommt glänzende Augen, Nudeln konnte er noch nie widerstehen.
Ich habe mir ein paar Tage Urlaub genommen, zum Glück hat man im Büro Verständnis für mich. Sie wissen ja alle, dass wir beide einen kleinen Tick haben mit unseren Hunden...obwohl man dort nicht so ganz nachvollziehen kann, wie man in einen so alten Hund noch so viel Geld investieren kann...ich mag diese Amortisationsdenke nicht diskutieren.
Er erholt sich zusehends und zeigt schon wieder erste Anzeichen von Altersstarrsinn. Wir sind glücklich.
Im Juni
Khani wird in ein paar Tagen acht Jahre alt. Er hat sich glänzend erholt, die
Magendrehung scheint vergessen. Unsere Vorsicht hat sich erhöht, wir ergreifen
alles an Massnahmen, um diesem Gespenst nicht noch mal gegenüberzustehen. Die
Herzerkrankung haben wir medikamentös in den Griff bekommen.
In Gesprächen mit der Tierärztin haben wir herausgefunden, dass dies in unserem speziellen Fall der Auslöser für die Magendrehung gewesen sein könnte. Schlechte Durchblutung, Verdauungsstörung, mit vollem Magen die Treppe herunter. Das versetzt den Magen in eine Schlingerbewegung und durch die Abwärtsneigung passiert es dann.
Die Anzeichen waren in unserem Fall sehr typisch, die Erstversorgung schnell und professionell, sein Allgemeinzustand durch viel Bewegung sehr gut. Wir haben sehr viel Glück gehabt.
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