Ehrlichiose


entnommen: Priv. Doz. Dr. D. Hassler, http://www.dieterhassler.de

Ehrlichiose

Dieter Hassler

Wir müssen weit zurück in die Vergangenheit, um die Anfänge der Ehrlichiose-Forschung zu finden. In den neunziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts grassierte eine Erkrankung in afrikanischen Kuh-, Schaf- und Ziegenherden, die unter dem Namen "Heartwater" bekannt wurde. Bei dieser Krankheit kam es zur Ausbildung eines ausgeprägten Pericardergusses. Die Infektion hatte infolge kapillärer Blutungen im Gehirn oft letale Folgen.

In den Folgejahren wurden zeckenverseuchte afrikanische Rinder in die Karibik exportiert, wo es ebenfalls zu Ausbrüchen kam. Man befürchtete ein Übergreifen auf das nordamerikanische Festland. Daher war bereits damals das Interesse der amerikanischen Forscher an dieser Erkrankung groß.

1899 begann man mit Versuchen, die Krankheit auf zuvor gesunde Tiere zu übertragen, um deren infektiöse Natur zu untermauern. Zum Glück für die beteiligten Forscher erübrigten sich hier die sonst so beliebten Selbstversuche. Die Übertragung gelang.

Im Jahre 1910 wurde mittels neuentwickelter Färbetechniken in Blutausstrichen ein verwandter Erreger sichtbar gemacht, der als Anaplasma marginale bezeichnet wurde (Theiler 1910). 1925 erkannte Cowdry den nach ihm benannten Erreger Cowdria ruminatium als Erreger der Heartwater-Erkrankung bei Kühen, Schafen und Ziegen, Donatien beschrieb 1935 den heute als Ehrlichia canis bekannten Vertreter, Gordon entdeckte E. phagocytophila 1940.

Interessanterweise wurde in der Veterinärmedizin über Jahrzehnte den Ehrlichien Aufmerksamkeit geschenkt (Gribble 1969), während die Humanmediziner sich in dem Glauben sonnten, von dieser Gattung verschont zu bleiben. Erst in den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts lernte man, intrazellulär lebende Bakterien und Viren unter anderem dadurch zu unterscheiden, daß letztere nicht gegen Antibiotika empfindlich waren. Nun erkannte man, daß die Tetracycline gegen Ehrlichien und ähnliche Erreger (wie etwa Rickettsien) wirkten.

In Japan kam es 1965 zur Entdeckung von Ehrlichia sennetsu, die beim Genuß von rohem Fisch, wie dies in Japan sehr beliebt ist, übertragen wird. Sie war die erste entdeckte humanpathogene Art und löst ein Krankheitsbild aus, das man als Mononucleose-ähnlich beschrieb.Auch in den folgenden Jahren wurden zahlreiche neue Arten entdeckt (E. equi 1969, E. ewingii 1971 und E. risticii 1984). Eine besondere Berühmtheit erlangte E. canis, weil diesem Erreger hunderte von militärisch eingesetzten Hunden während des Vietnamkrieges zum Opfer fielen, bis man die Ursache erkannte und die Epidemie durch Zeckenbekämpfung und frühzeitige antibiotische Therapie der erkrankten Hunde beherrschen lernte (Davidson 1978).

 

Ehrlichien in aquatischen Lebensräumen

Pferdefieber am Potomac

"Landlebende" Ehrlichien

Tabelle: ausgewählte Ehrlichien und assoziierte Krankheitsbilder

 

terrestrische Ehrlichien

Vektor

infiziert werden u.a.

Zellaffinität

HGE-Agent

Ixodes-Zecken

Menschen

Granulozyten

E. phagozytophila

Ixodes-Zecken

Huftiere

Granulozyten

E. equi

Ixodes-Zecken

Pferde, Menschen

Granulozyten

E. chaffeensis

Amblyomma-Zecken

Menschen, Hirsche

Monozyten

E. canis

Haemaphysalis und Riphicephalus- Zecken

Hunde

Granulozyten

E. ewingii

Zecken

Kaninchen

Granulozyten

E. platys

Zecken

Hunde

Thrombozyten

aquatische Ehrlichien

 

 

 

E. sennetsu

Trematoden in rohem Fisch (oral)

Menschen

Monozyten

E. risticii

 

Zerkarien (aktiv oder oral?)

Pferde, Hunde

Monozyten

NeoRickettsia helminthocea

Helminthen in rohem Fisch (oral)

Hunde, Bären,

Menschen?

 

 

Die spezifische Zellaffinität

granulozytäre Form: Human granulozytic Ehrlichiosis (HGE)

Leitsymptome der HGE (nach Walker)

monozytäre Form: Human monocytic Ehrlichiosis (HME)

 Leitsymptome der HME (nach Fishbein)

thrombozytäre Form

Diagnostik

Therapie der Ehrlichiosen

ausgewählte Literatur


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