Zucht  und Kauf von Berner Sennenhunden


Allgemeines

Der Berner Sennenhund ist zum Modehund geworden - leider. Denn so schön es auch ist, diese wunderbare Rasse immer wieder zu sehen, hat die stark zunehmende Zucht dieser Hunde auch Probleme und Nachteile mit sich gebracht. Daher kann nur Aufklärung und Information dazu beitragen, Sie als Welpenkäufer vor bösen Überraschungen zu schützen.

Da wir eine unabhängige und vereinsneutrale Internetseite sind, möchte wir diese Position nutzen, um einen Blick auf die Situation in der Berner Sennenhundezucht zu werfen. Wir züchten weder selbst noch gehören wir einem Zuchtverein an und hoffen, dies daher aus einem objektiven und am Wohl der Hunde orientierten Blickwinkel tun zu können.

Bevor wir jedoch auf die Zuchtsituation näher eingehen, möchten wir auf einige Probleme hinweisen, die mit der Zucht von Rassehunden verbunden sind.

Probleme der Rassehundezucht

Rassehundpopulationen sind relativ klein und stammen zudem von einer recht überschaubaren Zahl von Ursprungstieren ab. Folglich ist der Genpool klein, zumal immer auf den Erhalt bestimmter Rassemerkmale geachtet wird (je geringer die Unterschiede zwischen den einzelnen Hunden sind, desto geringer ist die genetische Varianz). Daher ist die Gefahr der Inzucht groß. Dieser Gefahr kann man nur dadurch begegnen, dass man die Zuchtlinien über viele Generationen verfolgt, wenn eine Verpaarung festgelegt werden soll.

Natürlich muss man sich verständlicherweise auf die Rassemerkmale selbst festlegen, denn ohne diese Definition ist ein Zuchtziel nicht festzulegen. Dabei wird jedoch leider ein zu großes Gewicht auf die äußere Erscheinung gelegt. Zu wenig Beachtung finden das Wesen, die Gesundheit und die Langlebigkeit der Hunde. Denn es ist zunächst das Erscheinungsbild, welches die Welpenkäufer anspricht.

Unabhängig von der Rasse muss man leider feststellen, dass (fast) alle Großhunderassen Probleme mit der Gesundheit haben und allgemein auch recht kurzlebig sind. Erst in jüngerer Zeit zeigen Bemühungen, z.B. Gelenkkrankheiten zu vermindern, Erfolg. Dafür wurde mit der Verbreitung von Epilepsie eine neues Problemfeld aufgetan. Krebs und früher Tod werden immer noch zu wenig als durch die Zucht zu beeinflussende Risiken erkannt.  

Zuchtbedingungen

Es gibt drei Wege, Berner Sennenhunde zu züchten:

  1. Da es keine gesetzlichen Vorgaben gibt, die Bedingungen für eine Hundezucht festlegen (von den grundlegenden Tierschutzbestimmungen einmal abgesehen) und auch keine Anmeldepflicht besteht, kann grundsätzlich jeder nach eigenem Gutdünken züchten. Folglich gibt es jede Menge Berner Sennenhunde ohne Papiere von sogenannten "Hobbyzüchtern", die oft mit ihrem Hund "einfach mal einen Wurf haben" möchten. In der Regel werden dabei Hunde verpaart, die zufällig in der Nachbarschaft wohnen, ohne eine Gesundheitsprüfung der Elterntiere vorzunehmen oder eine Inzucht auszuschließen. Auch aus solchen Verpaarungen können wunderschöne und gesunde Tiere entspringen. Doch das Risiko, kranke Hunde zu erstehen, ist leider nicht von der Hand zu weisen.
  1. Es existiert eine unüberschaubare Anzahl an Hundezuchtvereinen. Die meisten davon sind allgemeine Vereine ohne Rassebindung. Dementsprechend sind die Zuchtbestimmungen meist sehr allgemein gehalten und werden dabei den besonderen Bedürfnissen der Berner Sennenhunde nicht (vollständig) gerecht. Natürlich ist unter diesen Bedingungen eine verantwortungsvolle Zucht durchaus möglich. Aber Züchter genießen hier sicherlich einigen Gestaltungsspielraum, was leider von manchen "schwarzen Schafen" ausgenutzt wird.

Von betroffenen Hundebesitzern wird immer wieder berichtet, dass einige dieser Vereine offenbar nur zu einem Zweck bestehen: Den unter ihrem Namen gezüchteten Welpen offiziell aussehende Papiere zu beschaffen. Vielfach sind in diesen Fällen die Vereine weder postalisch noch telefonisch noch per Internet erreichbar oder erteilen nur unzureichend Auskunft.

Um es nochmals zu betonen: Selbstverständlich möchten wir keinem Verein etwas unterstellen. Auch bei den gemischtrassigen Vereinen wird meist engagiert und mit gutem Erfolg gezüchtet. Wir möchten nur vor schwarzen Schafen warnen. Im Gegensatz zu dem in Punkt 1. aufgeführten Fall, wo Fehler in der Regel aus Naivität und Unwissenheit begangen werden, finden sich in dieser Fallgruppe aber leider diejenigen Züchter, die nur aus Gewinnstreben heraus tätig sind, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Elterntiere und ihrer Nachkommen.

Daher können wir nur dringendst  jedem Welpeninteressenten anraten, sich gerade in diesen Fällen ganz intensiv mit der Seriosität des ausgewählten Züchters und seines Zuchtvereins zu befassen.

  1. In Deutschland gibt es neben den unter 2. beschriebenen allgemeinen Hundevereinen drei auf Sennenhunde spezialisierte Vereine: Den Deutschen Club für Berner Sennenhunde (DCBS), den Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland e.V. (SSV) - beide im Verein für das Deutsche Hundewesen (VDH) organisiert - und den Berner Sennenhunde Club (BSC).

In diesen drei Vereinen, die sich im Hinblick auf die Zuchtziele- und bedingungen nicht in wesentlichen Punkten unterscheiden, widmet man sich ausschließlich dem Wohl der Berner Sennenhunde (bzw. im SSV auch noch den drei anderen Sennenhunderassen Großer Schweizer Sennenhund, Entlebucher und Appenzeller). Auch wenn das an sich noch keine Garantie ist, tatsächlich gesunde Welpen zu züchten, ist die Wahrscheinlichkeit doch hoch. Und mehr wird leider nie zu erreichen sein. Nebenbei bemerkt bieten diese drei Vereine Welpenvermittlungsstellen an, die gerne beim Welpenkauf behilflich sind.

Potenziellen Käufern von Berner Sennenhundwelpen können wir nur raten, sich im Hinblick auf die geschilderten Probleme intensiv mit den Zuchtbedingungen auseinander zu setzen. Zu groß sind die Gefahren, einen kranken Welpen zu erstehen. Die Kosten für eine Behandlung, z.B. erforderliche Operationskosten bei ED, HD oder OCD übersteigen die Kosten eines Welpen um ein Vielfaches. Die paar Euro, die man spart, wenn man sich den Welpen beim "Züchter um die Ecke" zulegt, können allzu leicht in einer Kostenfalle enden. Von den Qualen und Schmerzen, die ein krankes Tier möglicherweise auszuhalten hat und den eigenen Qualen, wenn man mit seinem Tier mitleidet, mal ganz abgesehen.

Neben den geschilderten Fallgruppen von Züchtern kann man im Internet auch eine Reihe von Welpenvermittlungsseiten und -services finden. In der Regel werden hier keine eigenen Hunde angeboten sondern "Fremdware" aus beliebiger (oft ausländischer) Zucht. Hier sollte, ebenso wie in Tierhandlungen, wo weder Herkunft noch Werdegang der Welpen beurteilt werden können, eine gesunde Skepsis an den Tag gelegt werden. Manche Internetseiten bieten verschiedene Rassewelpen wie X-beliebige Ware an. Dort können Sie sogar online bestellen, ohne "Ihren" Welpen je gesehen zu haben! Falls Sie sich dennoch dort Welpen anschauen wollen (und können), machen Sie sich bereits vorab mit dem Gedanken vertraut, dass es ausgesprochen schwierig ist, einem Welpen zu widerstehen. Denken Sie aber immer daran, dass es keine Probleme löst, diese Tiere aus Mitleid aus ihrem Schicksal "freizukaufen". Denn das hat gerade zur Folge, dass weitere Tiere als Nachschub produziert werden. Nur wenn sich die Zucht zum Zweck des Geldverdienens nicht mehr rechnet (weil die Käufer ausbleiben), ist wirklich etwas erreicht!

Deshalb: Augen auf beim Welpenkauf!

Fragen Sie lieber ihrem Züchter Löcher in den Bauch, fragen Sie seinen Zuchtverband (dann wissen Sie wenigstens schon mal, dass dieser existiert und ansprechbar ist) und fragen Sie im Zweifelsfall lieber noch jemanden, der sich mit diesen Fragen auskennt!

Diese Fragen sollten Sie sich stellen, wenn Sie sich überlegen, einen Welpen ins Haus zu holen.

Zuchtbestimmungen der drei Sennenhundvereine

Alle drei Vereine stellen sich im Internet dar. Leider findet man nicht auf allen diesen Internetseiten die Zuchtbestimmungen und Regularien, um diese einzuhalten. Ein Vergleich zwischen diesen dreien ist also derzeit nicht wirklich möglich. Wir können nur an die Vereine appellieren, hier im Sinne der Käuferinformation mehr Offenheit walten zu lassen! Zumindest der SSV hat dankenswerter Weise reagiert und stellt seine Zuchtbestimmungen öffentlich zur Verfügung.

Sie haben sich einen Welpen zugelegt? Lesen Sie hier unsere Tipps für die ersten gemeinsamen Wochen.

(c) Gregor Jonas

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