Erziehung und Entwicklung von Welpen

Unter Verwendung von Materialien der Homepage "Zwinger vom Vulkanpark",  zitiert mit freundlicher Genehmigung von Frau Ginsterblum


Ein Welpe kommt ins Haus

Die Entscheidung, einen Welpen zu sich zu nehmen, ist gefallen. Wenn Sie sich jetzt mit der Frage beschäftigen, wie Sie eine gesunden Welpen von einem geeigneten Züchter finden, lesen Sie zunächst die Seite "Zucht + Kauf".

Sind Sie fündig geworden, wird Ihnen der Züchter anbieten, Ihren Welpen zu besuchen, um ihn langsam an die neuen Bezugspersonen heranzuführen. Es hilft ihrem Hund auch, wenn Sie bei Ihren Besuchen ein Tuch mitbringen, das den Nestgeruch annehmen kann. Dieses nehmen Sie dann wieder mit, wenn Sie Ihren Hund mit nach Hause nehmen. Dadurch nehmen Sie eine Erinnerung an Mama und Geschwister mit  und erleichtern damit den Abschied.
In dieser Zeit sollten Sie zu Hause bereits die erforderliche Ausrüstung besorgen:

Dann sollten Sie wertvolle Sachen, die umgeworfen oder angeknabbert werden könnten, aus der Reichweite des Welpen entfernen. Gleiches gilt natürlich auch für Reinigungsmittel oder sonstige möglicherweise giftige Sachen. Auch Kabel können Ihrem Welpen gefährlich werden. Denn Hunde kauen und lecken zunächst einmal alles an! Erkundigen Sie sich evtl. auch, ob Sie giftige Pflanzen im Haus oder Garten haben. Lesen Sie hierzu die Seite "Gifte und Gefahren für Hunde".

Wichtig ist, dass Sie in den ersten Wochen uneingeschränkt Zeit für Ihren Welpen haben. Wenn Se berufstätig sind, sollten Sie unbedingt Urlaub nehmen. Denn gerade in den ersten Tagen und Wochen lernt ein Hund Dinge, die er nie wieder wird lernen können. Außerdem wird er von einer vertrauten Umgebung und seiner Mutter und den Geschwistern getrennt, ist dementsprechend einsam und verunsichert und muss die Beziehung zu Ihnen erst noch aufbauen.

Ernährung

Der Züchter wird Ihnen von sich aus Futter für die ersten Tage mitgeben. Sie sollten darauf achten, dass Sie, wenn Sie die Futtermarke wechseln möchten, dies langsam tun sollten. Eine abrupte Umstellung kann zu Durchfall führen. Achten Sie aber darauf, dass das Futter nicht mehr als 22% Eiweißanteil aufweist. Eiweiß ist maßgeblich mitverantwortlich für die Wachstumsgeschwindigkeit. Und ein zu schnelles Wachstum birgt die Gefahr von Gelenk- und Knochenschäden.

Welpen sollten mehrmals am Tag gefüttert werden. Achten Sie darauf, dass immer genügend Wasser erreichbar ist. Wird die angebotene Futtermenge nicht auf einmal verzehrt, nehmen Sie die Reste weg. Beobachten Sie die Gewichtszunahme, damit kein Übergewicht entsteht. Auch das ist gefährlich für Gelenke und Knochen. Mit den Fingern sollten Sie immer den Rippenbogen ertasten können. Und lassen Sie sich nicht vom berühmten "Bernerblick" erweichen. Jeder Berner sieht Sie so an, als ob er jeden Moment verhungern würde. Selbst dann, wenn er fast platzt.

Sie können auch jetzt schon damit beginnen, Ihren Welpen natürlich mit rohem Futter zu ernähren. Falls Sie sich hierfür interessieren sollten, empfehlen wir die Seite www.barfers.de.

Die Sozialisierungsphase von der 8. Bis zur 12. Lebenswoche 1)

Die ersten Lebenswochen eines Hundes haben für seine Sozialverträglichkeit im späteren Leben eine große Bedeutung. Nicht alles ist angeboren, auch Umweltreize spielen bei der Entwicklung des Hundes eine erhebliche Rolle. Gerade in den ersten Wochen kommt dem Züchter und auch dem späteren Welpenbesitzer eine große Verantwortung zu. Die Kinderstube spielt eine maßgebliche Rolle bei der späteren Entwicklung von Problemen. Die gesamten Entwicklungsphasen finden Sie hier.

Normalerweise geben Züchter ihre Welpen im Alter von 9 bis 11 Wochen ab. Diese befinden sich dann in der Sozialisierungsphase. Was Sie in diesen wenigen Wochen versäumen, wird Ihr Hund nie wieder vollständig nachholen können! Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie bereits in diesem Alter eine Welpenspielgruppe besuchen, wo Ihr Hund lernt, mit Artgenossen zu spielen und zu kommunizieren.

Die Sozialisierungsphase ist besonders bedeutungsvoll für die Weiterentwicklung des jungen Hundes und seine Fähigkeit, sich seiner Umwelt und vor allem dem Menschen anzupassen. Zu Beginn dieser Phase kommt der Welpe in der Regel in seine neue Umgebung und zu seinem neuen Besitzer. Er erfährt die erste Erziehung und muss sich seinem neuen Meuteverband anpassen. Der Schwerpunkt dieses Entwicklungsstadiums liegt auf dem spielerischen Lernen. Es werden jedoch erste Tabus gesetzt, wobei der normal veranlagte Welpe die Bereitschaft zeigt, Autorität anzuerkennen, wenn er nicht durch unsachgemäße Behandlung verprellt und eingeschüchtert wird. Selbstverständlich hält man unangenehme Einflüsse und Erlebnisse von ihm fern. Gerade in dieser Zeit lernt ein Welpe sehr schnell, man sollte allerdings über positive Verstärkung mit dem Welpen arbeiten, d.h. erwünschtes Verhalten wird gelobt und durch Spielen, Streicheln oder Leckerchen belohnt, so dass dieses Verhalten in Erwartung von Annehmlichkeiten immer wieder gern vom Welpen gezeigt wird. unerwünschtes Verhalten wird sofort bei der Tat unterbunden. Meist reicht ein scharfes, in tiefer, energischer Stimme gesprochenes „Nein“ schon aus um den Welpen von seinem Vorhaben abzubringen. Die Welpen sind in dieser Phase noch so leicht beeinflussbar. Es macht Freude mit ihnen zu arbeiten. Die Bereitschaft seinem Herrchen oder Frauchen zu folgen und sie als Chef anzuerkennen, sollten sich die neuen Besitzer zu nutze machen. Hat der Hund einen guten Züchter, so wird er auch immer Erziehungsratschläge und Tipps bereithalten.

Sie als Hundebesitzer müssen in dieser Phase ebenfalls eine Menge lernen. Die Kommunikation mit einem Hund unterscheidet sich stark von der Kommunikation mit einem Menschen, da der Hund der Sprache nicht mächtig ist. Sie müssen also lernen, sich anders verständlich zu machen. Ebenfalls müssen Sie lernen zu verstehen, was Ihr Hund Ihnen mitzuteilen versucht. Das geht am besten mit Hilfe eines kompetenten Trainers. Natürlich schadet es auch nicht, sich entsprechende Literatur zu Gemüte zu führen.

Doch es ist auch Vorsicht geboten. Nicht jede Hundeschule und nicht jede angepriesene Erziehungsmethode ist empfehlenswert! Lassen Sie sich nicht einreden, durch abstruse Methoden wie das "Natural Dogmanship" oder andere Modeerscheinungen ließen sich Hunde optimal und ohne Aufwand erziehen. Hundeerziehung erfordert Geduld, Wissen und Einfühlungsvermögen. Methoden, die angeblich ohne oder mit nur wenig Aufwand funktionieren sollen, können Sie getrost vergessen. Ebenfalls ist Skepsis angezeigt, wenn man Ihnen erzählen möchte, Hunde würden nur auf Grund einer einzelnen Motivation lernen. Hunde sind hochkomplexe soziale Wesen und benötigen daher auch eine flexible, an der jeweiligen Situation orientierte Behandlung. Oft wird das gesamte Verhaltensmuster nur auf den Begriff "Dominanz" reduziert. Günter Bloch, ein bekannter Feldforscher, der das Verhalten von Wolfsrudeln studiert, ist der Auffassung, dass Dominanz im Verhaltensrepertoire von Wölfen und Hunden keine wesentliche Rolle spielt. Natürlich gibt es einen Rudelchef (und eine Chefin, wo wir gerade dabei sind). Aber dieser ist eher Moderator und Führungspersönlichkeit als ein Diktator.

Hunde wollen - wie jedes andere Lebewesen auch, ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Sicherheit und sozialen Kontakten befriedigt wissen. Hier sollten die Methoden zur Erziehung ansetzen. Was man dann letztlich erreicht, ist im Grunde genommen nichts anderes als immer wieder Abwandlungen des altbekannten Pawlovschen Prinzips der klassischen Konditionierung. Und das ist durchaus nicht negativ zu sehen. Ihr Hund lernt, dass beim Zeigen eines Verhaltens eine festgelegte Reaktion erfolgt. Ob positiv oder negativ spielt erst einmal keine Rolle. Dabei bestimmen Sie, welche Verhaltensweisen Sie als erwünscht oder unerwünscht fördern oder unterbinden wollen.

Woran erkennen Sie jetzt, ob Sie eine geeignete Hundeschule gefunden haben?

Üben Sie von Beginn an, den Hund überall anzufassen und zu untersuchen. Auch die Fellpflege muss trainiert werden. Nutzen Sie auch die ersten Besuche beim Tierarzt, um eine Gewöhnung an die Umgebung und Untersuchung zu erreichen. Ein guter Tierarzt wird sich hierfür die Zeit nehmen, weiß er doch, dass er später wesentlich einfacher und entspannter mit (und an) dem Hund arbeiten kann.

Hunde lernen schnell. Achten Sie darauf, dass sie nicht das Falsche lernen. Denn ein einmal erlerntes Verhalten zu ändern ist schwierig. Wenn Sie aber einmal "den Bogen raus" haben sollten, werden Sie ein eingespieltes und gut funktionierendes Gespann mit Ihrem Hund werden. Und das wird Sie genau so zufrieden stellen wie Ihren Hund!

Es gibt viele Möglichkeiten, sich nicht nur im Welpenalter mit Ihrem Hund zu beschäftigen. Sie werden sehen, dass ein Berner Sennenhund in der Regel gerne arbeitet und Spaß an einer gemeinsamen Beschäftigung hat. Schauen Sie doch mal unter www.spass-mit-hund.de rein.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit Ihrem Welpen!

(c) Gregor Jonas 07/2004

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1) (c) dieses Absatzes: Homepage "Zwinger vom Vulkanpark", zitiert mit freundlicher Genehmigung von Frau Ginsterblum

www.bernerportal.de